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700 Jugendliche beim Friedenstag in der Auferstehungskirche

veröffentlicht um 04.12.2014, 08:25 von Georg Haschek   [ aktualisiert: 04.12.2014, 08:29 ]

„Sie sind das neue, andere, kommende Österreich“
700 Jugendliche beim Friedenstag in der Auferstehungskirche

"Eine andere Welt ist möglich" lautete das Motto.
Die Auferstehungskirche war bis auf den letzten Platz besetzt.
Die Band der Popakademie der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule übernahm die musikalische Gestaltung.
Schauspieler Philipp Reichel provozierte in seiner Rolle als "Proll".
Warm wurde den Jugendlichen beim Trommel-Workshop mit Drummer Raymond Walker.
Im "Café Mac Friends" ...
... kamen die evangelischen SchülerInnen mit Schülerinnen der islamischen Fachschule ins Gespräch.
Richtig? Oder falsch? Sex-Mythen kamen im Workshop "Sehnsucht und Leidenschaft" auf den Tisch.
Dumsterer (Mülltaucher) Fabian Schiefermair erzählte von seinen "Tauchgängen" in den Containern von Supermärkten.
Im Hospiz-Workshop wurde die Angst vor einem Trauerfall im eigenen Umfeld und die Arbeit mit Sterbenden thematisiert.
NS-Zeitzeuge Prof. Rudolf Gelbard.
Gisela Ebmer und Sepp Fessler.

Gegen Vorurteile und für mehr Verständnis, gegen Misstrauen und für mehr Zusammenhalt – dafür sprachen sich die rund 700 evangelischen Jugendlichen am Mittwoch, 3. Dezember, auf dem Friedenstag in der Evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche in Wien-Neubau aus. Denn: „Eine andere Welt ist möglich“, so lautete das Motto des Vormittags, den die Evangelische Jugend Wien und die ARGE Evangelische ReligionslehrerInnen an AHS/BMHS heuer zum 26. Mal veranstalteten. In neun verschiedenen Workshops konnten sich die Schülerinnen und Schüler ab der 9. Schulstufe informieren und inspirieren lassen. Unter anderen kamen Sie im Film-Workshop mit Regisseur und Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky ins Gespräch.

Doch bevor sich die Jugendlichen auf die Workshops aufteilten, wurden sie eingestimmt ins Thema von Schauspieler Philipp Reichel, der in die Rolle des provokativen Prolls schlüpfte und von „seiner Welt“ erzählte: von teuren, schnellen Autos, Drogen und von Ausländern, gegen die er ja nichts hat, solange sie dort bleiben, wo sie sind. „Leiwand, oder?!“ – Nein, von dieser Welt distanzierten sich die jungen Leute. Sie diskutierten in den Workshops Faschismus heute und Holocaust damals, Sex und Liebe, aber auch Tod und Sterben, den evangelischen und islamischen Glauben sowie Lebensmittel-verschwendung, Menschenrechte und Drogenabhängigkeit. Immer ging es ums Ganze, um die Welt, um Gesellschaftspolitisches – und gleichzeitig auch immer um die Lebenswelt der Jugendlichen, ihren Alltag, ihre Erfahrungen.

Seit 1988 findet der Evangelische Friedenstag jährlich statt. Workshops, Gespräche mit Zeitzeugen, Diskussionen, Spielerisches, Meditatives und gemeinsames Feiern sollen zur Gewaltprävention und zu einer gerechten, zukunftsfähigen Gestaltung der Gesellschaft durch die Jugendlichen beitragen. „Wir sind heute viele, wir können etwas bewirken“, sagte Fachinspektorin Prof. Mag. Gisela Ebmer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche und Sepp Fessler, Jugendreferent der Evangelischen Jugend Wien, fügte hinzu:  „Sich informieren, nicht alles nachplappern – das ist evangelisch.“ Und der NS-Zeitzeuge und Autor Prof. Rudolf Gelbard brachte den Friedenstag 2014 am Ende seines Workshops so auf den Punkt: „Sie sind das neue, andere, kommende Österreich!“

Alle Workshops auf einen Blick:

1. „Die dunklen Seiten des Planeten“ – im Gespräch mit NS-Zeitzeugen Prof. Rudolf Gelbard
2. Film-Workshop „Das radikal Böse“  - Filmnachgespräch mit Regisseur und Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky
3. „Multikulturelle Rhythmen statt Eintönigkeit“ – Trommeln mit Drummer Raymond Walker
4. „FAIR TALK“ im Orient-Café „Mac Friends“ – im Gespräch mit Schülerinnen der islamischen Fachschule
5. „Taste the waste“ – im Gespräch mit „Dumsterer“ (Mülltaucher) Fabian Schiefermair
6. „Hospiz – Sterben ist ein Teil des Lebens“ – im Gespräch mit Irene Blau und Monika Schreiber vom Verein Hospiz Mödling
7. „Sehnsucht und Leidenschaft“ – im Gespräch mit Sexualpädagogin Bettina Weidinger
8. „Aktivismus für Menschenrechte“ – im Gespräch mit Mag. Aleksandar Prvulovic von Amnesty International Österreich
9. „Vorbeugung statt Sucht & Kriminalisierung“ – im Gespräch mit dem KRIPO-Beamten Christian Doneis

Übrigens: Mitfinanziert wird der Evangelische Friedenstag vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend.

Text und Fotos: Martina Schomaker
Öffentlichkeitsarbeit – www.evang-wien.at