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Begegnung gefördert durch Kreativität (Dezember 2010)

veröffentlicht um 30.03.2012, 18:41 von Georg Haschek
Der vorliegende Bericht wurde von Simone Grosser und Hatice Yildirim verfasst (17.01.2011). Der Artikel ist im Original unter http://ungleichevielfalt.at/article74.htm erschienen.

Bericht

Die Eröffnung der Ausstellung im Rahmen des Projekts „Kreativtandem" am 20. Dezember 2010 im BG 18 zeigte interessante Werke. In Paaren haben sich SchülerInnen der KMS 18 und des BG 18 schriftstellerisch und malerisch betätigt.

Vielfalt der Schulen

Seit Anfang 2010 arbeiten die zwei Schulen Bundesgymnasium Klostergasse (BG 18) und Kooperative Mittelschule Schopenhauerstraße (KMS 18) im Rahmen des Projektes „Ungleiche Vielfalt" zusammen. Die SchülerInnen lernten sich bei den Forschungslabs im Frühjahr des vergangenen Jahres kennen und trafen bei Aktivitäten wie der Zukunftswerkstatt im Zuge einer Diplomarbeit aufeinander. Bei Veranstaltungen wie der Projektpräsentation im Herbst besuchten auch LehrerInnen der KMS das 50 Meter entfernte Gymnasium. Ein Zusammentreffen, das in den vielen Jahren der Nachbarschaft davor selten zustande kam. Umso erfreulicher war daher die Entwicklung des Tandemprojekts, das sich unabhängig vom Gesamtprojekt Ungleiche Vielfalt aus dem Engagement zweier Lehrerinnen ergab. Unter der Begleitung von Gerda Reißner (KMS 18) und Peggy Skopec (BG 18) fanden mehrere Workshops mit den SchülerInnen der 7B (BG) und der 4B (KMS) statt.

Begonnen hat alles mit einem Treffen am 14. Oktober 2010 im Turnsaal des BG, bei dem die SchülerInnen der beiden Schulen durch ein Zufallsprinzip zu Paaren und einem Trio zusammen gewürfelt wurden. Wichtig war, dass jeweils ein/e SchülerIn der KMS18 mit einer/m SchülerIn des BG18 im Team war. Bei diesem ersten Treffen erzählten sich die Jugendlichen voneinander und begannen erste Ideen und Entwürfe niederzuschreiben. Weiters wurden Porträtbilder angefertigt und Bilderrahmen gekauft. In den Zeichenstunden der 7B begannen die SchülerInnen Ende November die Hintergründe der Rahmen zu gestalten.

Schreibwerkstatt mit Unterstützung

In einem zweiten Workshop am 25. November 2010 verfassten die SchülerInnen gemeinsam mit dem eingeladenen Schriftsteller Michael Stavaric kurze Reime. Der österreichisch-tschechische Autor und Übersetzer arbeitet im Projekt „X-change", das Begegnungen zwischen Jugendlichen und Persönlichkeiten mit Migrationshintergrund aus verschiedensten Bereichen wie Kultur, Wissenschaft, Sport, uvm. vermittelt. Nachdem Stavaric Kostproben seines schriftstellerischen Könnens zum Besten gegeben hatte, wurden die 19 Paare in die verschiedenen Räume der KMS 18 und des BG 18 aufgeteilt, um an ihren eigenen Texten zu arbeiten.

Unter Begleitung der LehrerInnen und Michael Stavarics produzierten die SchülerInnen fantasievolle, witzige Reime, die abschließend im Turnsaal des BG 18 vor allen präsentiert wurden. Und die Ergebnisse ließen so manches Lächeln aufblitzen:
 
In der Schule sind wir grad
Und es ist so megafrad,
sitzen hier, soll´n schreiben ein Gedicht,
doch Ideen haben wir noch nicht.
Uns fällt nichts wirklich Kluges ein,
doch wir lassen´s noch nicht sein.
Schüler, Lehrer, Rauchfangkehrer,
die Schularbeiten werden immer schwerer.
Bananen, Äpfel, Mandarinen,
Orangen, auch genannt Apfelsinen,
Brote, Semmeln, Ananas,
jeder isst hier irgendwas.
Unter Schülern heißt das Jause
Und man isst es in der Pause,
zumindest wenn man sich an die Regeln hält
und dich vorbildlich verhält.
Sonst hört man aus des Lehrers Munde:
„Warum isst du jetzt in meiner Stunde?"
Doch wir zwei sind natürlich die Braven,
weil wir in der Stunde schlafen.
(Vanja und Steffi)
 
Bei der Fertigstellung der Hintergründe stand Künstlerin Ursula Kermer (wesensart.at) und der Lehrer des BG 18, Heinrich Nagy, mit helfender Hand zur Seite. Gearbeitet wurde mit Schablonen, die im Zeichenunterricht der KMS 18 entworfen und ausgeschnitten wurden. Ergebnis waren 18 schwarze Rahmen mit kreativen Hintergründen und den Bildern und Texten der SchülerInnen gefüllt, die nun den Stiegenaufgang des BG 18 zieren. Als weihnachtlicher Höhepunkt wurde diese Ausstellung am 20. Dezember 2010 unter Anwesenheit der Direktorinnen, LehrerInnen und SchülerInnen beider Schulen feierlich eröffnet. Begleitet von einem Catering, das KMS SchülerInnen gestaltet hatten, wurde die Geschichte des Projekts kurz dargestellt, der Wertschätzung für die überaus engagierten SchülerInnen und LehrerInnen Ausdruck verliehen und Ausschnitte aus den Werken präsentiert.
Bis Ende Jänner sind die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit in der Schule zu begutachten, anschließend ist ein Standortwechsel in das C3 Centrum für Internationale Entwicklung und den Wiener Stadtschulrat geplant.

Toleranz und Annäherung

Diese und andere Zusammenkünfte der beiden Schulen im Rahmen des Projektes bieten die Möglichkeit, andere Lebensweisen und Vorstellungen kennen zu lernen. Obwohl räumlich nahe und durch den Marie-Ebner-Eschenbach-Park verbunden, schaut die Lebensrealität der SchülerInnen der beiden Schulen sehr unterschiedlich aus und zeigt wenige Schnittstellen. Werden sie einerseits durch Altersunterschiede getrennt, so verbringen sie andererseits auch ihre Freizeit an unterschiedlichen Orten. Während die eine Schule ihre Jugendlichen auf die Universität vorbereitet, versucht die andere mit allen Mitteln Lehrstellen zu suchen. Während die eine Fremdsprachen wie Französisch und Englisch lehrt, wird die andere für den trilingualen Unterricht auf Serbisch, Türkisch und Deutsch ausgezeichnet. Die Annäherung der beiden Gruppen durch das gemeinsame Schreiben und Kreativ-sein versucht, Unterschiede zu überbrücken und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Ganz im Sinne Paulo Freires kann jedeR von jeder/m lernen, denn niemand weiß alles und niemand weiß nichts.