Redewettbewerb „Sag’s Multi!“

veröffentlicht um 23.01.2013, 14:47 von Georg Haschek   [ aktualisiert: 19.02.2013, 12:38 ]
Erstmals nehmen Schülerinnen aus unserer Schule am österreichweiten mehrsprachigen Redewettbewerb „Sag’s Multi“ teil. Das Besondere an diesem Redewettbewerb ist, dass die Teilnehmer/innen innerhalb ihrer Rede zwischen Deutsch und ihrer Mutter- oder Erstsprache wechseln.  Isabel Gostek (3C), Katharina Hysek (4B), Negin Jafarmadar (3A), Sofie Frank Larsen (3A) und Aynur Temel (3A) stellten eindrucksvoll ihre sprachlichen und rhetorischen Fähigkeiten unter Beweis. Alle fünf Schülerinnen überzeugten mit ihren berührenden, klugen und engagierten Reden die Jury und konnten sich für das Semifinale qualifizieren.
Wir gratulieren herzlich!
 

Hier das Video aus der ORF Sendung (mit freundlicher Genehmigung des ORF).

Redewettbewerb Sag's Multi


Negin Jafarmadar (3A) hielt ihre Rede zum Thema „Meine Zukunft – unsere Zukunft“ auf Deutsch und Farsi (Persisch). Negin konnte sich für das Finale qualifizieren. Hier ein Auszug aus ihrer Rede:

„[…] Sicher wissen Sie, wie viele Flüchtlinge jährlich auswandern. Wenn ich das höre, denke ich mir: Warum kann nicht überall Frieden sein? Warum muss andauernd Krieg herrschen? Europa entwickelt sich immer weiter, doch von Asien hört man, dass es Demonstrationen gilt. Diese Menschen kämpfen nicht grundlos. In machen Ländern, zum Beispiel in Persien, dürfen die Menschen ihre Meinungen nicht äußern. Ich wünsche mir, dass alle Menschen das Recht haben, ihre Ideen und Meinungen zu sagen. Wenn ich über das Leben nachdenke, fällt mir als Erstes Freiheit ein. Es ist traurig, dass in manchen Ländern die Frauen ihre Talente nicht zeigen dürfen, zum Beispiel bei sportlichen Aktivitäten wie Schwimmen. In Persien dürfen Jugendliche ohne islamische Uniform nicht auf die Straße gehen. Mädchen und Buben müssen immer Angst haben, wenn sie auf die Straße gehen. Ich wünsche mir sehr, dass in Zukunft in allen Ländern Freiheit herrscht. […]“
 
Sofie Frank Larsen (3A) sprach  zum Thema „Gemeinsam ist man weniger allein“. Sie wechselte zwischen Deutsch und Dänisch. Sofie ist ebenfalls unter den Finalist/inn/en.

„[…] Ich habe eine sehr gute Freundin, die Muslimin ist. Sie hat mir einmal stundenlang von ihrer Religion erzählt. Sie ist Alevitin und trägt deshalb kein Kopftuch. Von ihr habe ich persönlich sehr viel Neues gelernt, unter anderem, dass sich hinter jedem Kopftuch eine Person verbirgt – mit Zukunftsträumen, -plänen und natürlich auch Hoffnungen.

Alle Menschen haben verschiedene Geschichten und Träume. Miteinander in Freundschaft können wir diese Träume leichter verwirklichen, ohne auf die verschiedenen Geschichten hinabzuschauen. Wir sollen sie als Bereicherung sehen. Mehrere Kulturen zu kennen und die Fähigkeit, mehrere Sprachen zu beherrschen, sind ein großer Vorteil und eine große Freude in meiner Familie wie auch in vielen anderen zweisprachigen Familien. Man soll auf mehrsprachige Leute nicht herabblicken, sondern sie für ihre Stärken beneiden, denn ihre Vielfalt an Sprachen und Kulturen ist ein wirklich beneidenswerter Reichtum.

Selbst in der Kindheit bemerkt man, dass es sehr interessant ist und man viel lernen kann, wenn man einen Freund hinter einer anderen Staatsgrenze hat, weil dieser Freund eine andere Geschichte mit sich trägt und eine manchmal völlig andere Kultur. […]

Menschen sind ganz besondere Wesen und man sollte von seinen Eltern oder seinen Erziehungsberechtigten lernen, Menschen nicht nach ihrem Aussehen zu bewerten und nicht auf irgendeine Weise diskriminieren. Oft werden Ausländer diskriminiert, indem sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden, und das ist meiner Meinung nach oft der Grund, weshalb Menschen sich selbst beschädigen oder sogar an Selbstmord denken. Jedenfalls führt es immer zu Einsamkeit und fast immer zu Frust und Aggressionen.

Wenn ich in die Schule gehe, dann sehe ich Wahlplakate mit der Aufschrift: "Österreich für Österreicher!" Das ist für mich nicht wirklich angenehm und es ist nicht leicht, an solchen Plakaten vorbeizugehen, denn solche Aussagen bedeuten für mich, dass manche Politiker Diskriminierung unterstützen, weil sie Angst haben. Wovor weiß ich nicht, aber das Misstrauen unter den Menschen wird dadurch leider ausgeprägter. […]“
 
Katharina Hysek
(4B) setzte sich in ihrer Rede, die sie auf Deutsch und Polnisch hielt, mit ihren Zukunftsvorstellungen auseinander.

„[…] Ich kann mir vorstellen, entweder als Journalistin für eine Zeitung oder als Korrespondentin für das Fernsehen im Ausland tätig zu sein. Auch der diplomatische Dienst wäre für mich sehr interessant. Schon lange träume ich davon, eine erfolgreiche Autorin zu werden. Ich habe bereits mehrere schriftstellerische Versuche unternommen. Aber wie schon gesagt, die Zukunft ist ungewiss.
Ich weiß, dass ich sprachbegabt bin. Von Anfang an spreche ich Polnisch und Deutsch. Seit zehn Jahren lerne ich Englisch und seit zwei Jahren Französisch. Meine Schule gibt mir die Möglichkeit, meine Talente auszubauen und ich schätze es sehr, dass ich auch Latein und Russisch lernen kann. Ich bewundere Leute, die viele Sprachen beherrschen, wie zum Beispiel den letzten polnischen Papst, Johannes Paul II, der offen für fremde Kulturen und Sprachen war und dessen Ziel es war, dass alle Menschen - unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Herkunft - einander tolerieren. […]

Was wird die Zukunft noch alles bringen? Eine spannende Zeit liegt bestimmt vor uns. Eine Symbiose in der Biologie bedeutet ein Zusammenleben von Lebewesen zum gegenseitigen Nutzen. Im übertragenen Sinn sollten wir uns um eine Symbiose zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bemühen. Wir müssen in der Gegenwart für unsere Zukunft sorgen, aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und unser Wissen jetzt für die Zukunft nützen. Ich hoffe, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein friedliches Zusammenleben aller Menschen und eine Welt ohne Hunger möglich sein werden. […]“
 

Isabel Gostek
(3C) hielt ihre Rede zum Thema „Meine Zukunft – unserer Zukunft“ auf Deutsch und Polnisch.

„[…] Zukunft“ ist ein weiter Begriff. Viele in meinem Alter denken beim Wort „Zukunft“ an ihren Traumberuf oder weiterführende Ausbildung. Erwachsene denken öfter an die Familienplanung. Für viele Menschen ist die Zukunft vielversprechend, für manche bedauerlicherweise weniger. Doch jeder kann sich für die Zukunft ein Ziel setzen, für das es sich lohnt zu arbeiten. Manche Ereignisse kann man in der Tat nicht vorhersehen und dadurch nicht beeinflussen. In solchen Fällen sagt man auch öfters: „Mal sehen, was die Zukunft bringt.“

Doch ich würde gern einiges auf unserem Planeten verändern oder verbessern. Aber wie soll eine einzige Person die Welt verändern?
Viele andere Aufgaben kann ein Mensch alleine lösen, doch die Welt zu verändern, kann man nicht von einem einzigen Menschen verlangen. Das ist die Aufgabe der ganzen Menschheit. […]“
 
Aynur Temel
(3A) sprach ebenfalls über ihre Hoffungen und Befürchtungen für die Zukunft. Sie hielt ihre Rede auf Deutsch und Türkisch.

„[…] Jetzt komme ich noch zu anderen wichtigen Themen: Umweltschutz und Tierschutz. Wir Menschen dürfen nicht zulassen, dass Bäume abgeholzt werden, um auf diesen Plätzen Einkaufszentren zu bauen. Denn die Welt, wie ich sie mir in 20 Jahren vorstelle, hat keinen Himmel, nur schwarze Wolken.

Bäume sind Sauerstoffquellen und wir brauchen Bäume, um zu überleben. Das Meer spielt ebenfalls eine sehr wichtige Rolle. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Haie getötet werden, denn sie sind erstens harmlos und zweitens sorgen sie für unser Meer. Ohne Haie stirbt das Meer. Ohne Haie käme es zu einem ökologischen Kollaps in den Meeren. Weit über 100 Millionen Haie werden weltweit jährlich getötet. Das sind rund 250 000 Haie am Tag. Kein anderes wild lebendes Tier wird momentan so brutal und in so großen Mengen abgeschlachtet. Was bringt uns das?

Ich setze mich dafür ein, Menschen davon abzuhalten, noch weitere gefährdete Tiere zu töten. Die Eisschmelze in der Arktis bedroht die Eisbären. Weil die Eisfläche aufgrund des Klimawandels immer stärker abnimmt, müssen die Tiere immer längere Strecken schwimmend zurücklegen. Dabei drohen viele durch Erschöpfung zu ertrinken. Wir wollen sicher nicht, dass unsere Eisbären sterben! Wir wollen auch nicht, dass andere gefährdete Tierarten getötet werden, denn von ihnen gibt es nicht viele. Ich will, dass meine Enkelkinder diese Tiere noch erleben können. […]“



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